
"Vom Christkind"
Anna Ritter (1865-1921)
Denkt euch,
ich
habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Weihnachten
Joseph von Eichendorff (1788
- 1857)
Markt und Straßen
stehn
verlassen, still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen buntes spielzeug fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern! Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen - O du gnadenreiche Zeit!

Tannengeflüster
von James Krüss
Wenn die ersten
Fröste knistern
in dem Wald bei Bayrisch-Moos,
geht ein wispern und ein flüstern
in den Tannenbäumen los,
ein Gekicher und Gesumm,
ringsherum
Eine Tanne
lernt
Gedichte,
eine Lerche hört ihr zu.
Eine dicke alte Fichte
sagt verdrieslich: gebt doch Ruh!
Kerzenlich und Weihnachtszeit
sind noch weit!
Vierundzwanzig
lange
Tage
wird gekräuselt und gestutzt
und das Wäldchen ohne Frage
wunderhübsch herausgeputzt.
Wer noch fragt: Wieso? Warum? -
der ist dumm.
Was das
Flüstern
hier bedeutet
weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
sich nun vor aufs Weihnachtsfest.
Denn ein Tannenbaum zu sein:
das ist fein!

Sei
wie ein Kind!
von Walther Heller
Weihnacht....
was ist das, hab ich sie gefragt,
und alle hätten was anderes gesagt,
wär' ihre Antwort auf Wahrheit bedacht.
Längst aber, sind wir taub und auch blind,
es sei denn, man bliebe im Herzen ein Kind.
So aber rasen wir alle, hetzen und treiben,
ganz gleich wo's hingeht, nur nicht verweilen.
Oder gar Denken und Fühlen, Empfinden und Horchen?
Die Herztüren fest zu: Es könnt jemand pochen!
Was gibt es nicht alles, was wichtiger ist,
außerdem: hat es doch keiner vermißt!
Zusammen zu sitzen, mit Freunden im Kreise,
zu singen von Weihnacht und Engeln und Hirten und Weisen.
Nein, davon hat uns der Fortschritt auch schon befreit,
wir informierten, modernen sind souverän und gescheit!
Wir denken in Summen, nur noch in so und so viel Milliarden,
ob für Kanonon, Raketen, oder Menschen die darben.
Alles wird größer und schneller und immer noch mehr,
dort wo das Herz war, ist's längst finster und leer!
Wenn aber Weihnacht kommt, kommt auch der Tag,
wo du nach Eilen und Hetzen und Plag,
hervor holst das beste Gewand: und umschalten willst.
Jetzt nicht mehr schreien.... nur leise,
kein Wort mehr vom Dienst.
Dann stehen wir im Kreise,
bewundern den herrlichen Baum,
was vorher war unterdrückst du wie einen lästigen Traum.
Jetzt schwör dir: wir machen das nie wieder so!
Sei wie ein Kind, und du wirst wieder weihnachtlich froh!

Es geht ein heimlich
Funkeln
von Rudolf
Otto Wiemer
Es geht ein heimlich Funkeln
durch alle Welt verhüllt.
Es steht ein Stern im Dunkeln,
die Zeit ist nun erfüllt.
Die Weisen in den Winden
sind aller Fragen satt.
Der Engel soll sie finden
der gute Botschaft hat.
Die Hirten in den Hocken
haben nicht Haus noch Licht.
Bald wird ein Wort frohlocken,
das heißt: Fürchtet euch nicht!
Ein Kindlein wird geboren
im Stall bei Ochs und Stier.
die Welt ist nicht verloren:
Das Himmelreich ist hier.
Internetweihnacht
von
Heinz Bornemann
Weihnachten im
Internet
alle surfen ohne Brett
schicken sich per Mail den Gruss
das ist der Weisheit letzter Schluss.
Dann saust man
durch
die Suchmaschine
tippt ein das Wort mit ernster Miene
beim Suchbegriff, der Weihnachtsmann
zeigt sie gleich tausend Seiten an.
Nun habe ich
die
Qual der Wahl
versuche es sogleich noch mal
doch wird die Anzahl immer mehr
erzeugt in mir gleich Gegenwehr.
Da schwirren
Engel,
Schlitten, Glocken
es blinkt, da bleibt kein Auge trocken
und auch viel Seiten kann man sehn
versuchen dir was anzudrehn.
Doch suchst du
schnell mal ein Gedicht
dann sag ich nur, verzage nicht
log dich doch wieder bei mir ein
geniesse es, bei Kerzenschein.